Visumsstress & Sprachkurs

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Das Hospital Santa Barbara von außen

In den nächsten Tagen wurde vor allem eins gemacht: zur Polizei gewatschelt. Ständig. Montagmorgen ging es allerdings erst mal zur Blutabnahme für den AIDS-Test, den man für die Visumsbeantragung braucht. Im Moment haben wir nur ein Touristenvisum, das für drei Monate gilt, das muss jetzt hier verlängert werden. Wie wir inzwischen erfahren haben, braucht das Zeit und Geduld. Das Krankenhaus war interessant, in der Mitte gab es einen Innenhof, und um diesen herum sitzen die Verwaltungsmitarbeiter, die sich um die Anliegen der Menschen kümmern. Wir mussten ein wenig warten, dann saßen wir auf einem Flur mit Behandlungstischen und uns wurde Blut abgenommen, von sehr netten Krankenschwestern, die einen fragten, ob man Angst habe, und sich darüber lustig machten, dass ausgerechnet der größte Junge die meiste Angst hatte.

Durch die Gegend kommt man in Sucre übrigens in sogenannten Micros, Kleinbusse für die man immer 1,50 IMG_1277Bolivianos bezahlt. Die bolivianische Währung hat zum Euro ähnlich wie dänische Kronen einen Wechselkurs von sieben zu eins. Allerdings kann man sich von diesen sieben in Bolivien deutlich mehr kaufen als in Dänemark. In den Micros ist weniger Platz als in deutschen Linienbussen, sie sind eher ausgebaute Vans. Trotzdem hat man das Gefühl, dass mindestens genauso viele Leute reinpassen, auch wenn die sich meist quetschen müssen. Haltestellen gibt es nicht, man ruft einfach „parada“, „en la esquina“ oder „voy a bajar“, dann hält der Bus. Das dürft ihr jetzt alles googeln. Oder alphabeten. Ich blicke nicht mehr durch.

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Ein Platz im Zentrum Sucres

Außerdem: in Sucre gibt es nicht nur Märkte und Kleinbusse, sondern auch Supermärkte und Handywerbung. Direkt an einer Ecke beim Hostel gibt es einen supermercado, in dem man leckere Kekse und viel anderes Zeug bekommt.

Montag nach dem Krankenhaus gingen wir das erste Mal zur Polizei. Dort warteten wir etwas und holten einen Zettel ab. So in etwa gestalteten sich auch der Dienstag, der Mittwoch, der Donnerstag und der Freitag. Insgesamt waren wir zweimal bei der normalen Polizei, wobei wir das zweite Mal nur eine Stunde warteten und dann wieder zum Hostel zurückkehrten, ohne etwas gemacht zu haben. Zweimal waren wir auch bei der Drogenpolizei, bei der wir einmal ewig im Hof saßen und dann Fingerabdrücke gaben. Ein anderes Mal mussten wir nur schnell unterschreiben, was gut war, da es an diesem Tag geregnet hatte und ziemlich kalt war, und wir wenig Lust hatten in der Kälte zu hocken. Bei Interpol waren wir insgesamt dreimal, einmal zum Rumsitzen, einmal zum Fingerabdrücke machen und einmal um zu Unterschreiben und Fingerabdrücke zu machen. Insgesamt wurden bestimmt sechs Kopien von meinem Reisepass angefertigt, die dann alle nach und nach abgegeben wurden.

Am Dienstag machten wir zusätzlich ein Sprachtest in der Sprachschule, in der unser dreiwöchiger Sprachkurs stattfinden sollte. Dieser begann dann am nächsten Tag, für mich um sieben Uhr abends, in der mittleren Gruppe. Obwohl ich in der Mittelstufe ja mal zwei Jahre Spanisch gehabt habe, fällt es mir hier sehr schwer, mich auszudrücken und zu kommunizieren. Das wird sich in den nächsten drei Wochen wahrscheinlich nicht komplett ändern, aber ich habe doch die Hoffnung, dass es mir leichter fallen wird, einfach mal draufloszureden, auch wenn nicht alles richtig ist. Unsere Lehrerin Monica ist streng, aber nett, obwohl ich denke, dass auch sie abends um sieben nicht mehr soo viel Bock auf Sprachkurs hat. Am Donnerstag hatten wir dann bei ihrem Mann, bei dem man immer nicht so genau weiß, was er von dem hält, das man so verzapft hat.

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Philipp!

Eine aus unserer WG, Karima, hatte als erste in einer langen Reihe Geburtstag, und zur Feier des Tages gingen wir in eine Bar, ins Bibliocafé. Dort gab es nette, aber laute Livemusik, und Caipirinhas für 20 Bolis, also 2,85€. An das Umrechnen muss ich mich auch noch gewöhnen, und generell ist hier alles nicht so billig, wie uns vorher erzählt wurde. Vor allem Schokolade und Gummibärchen sind teuer, und für ein Shampoo bezahlt man schon mal drei Euro. Dafür sind Obst, Gemüse und andere Lebensmittel vor allem auf den Märkten sehr günstig und sehr lecker. Nach ein paar Stunden sind wir dann mit dem Taxi nach Hause gefahren, da unsere Begleitung unser Vorhaben, nach Hause zu gehen, mit einer Halsabschneidergeste kommentierte. Dem haben wir uns dann mal nicht entgegengesetzt.

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5 Gedanken zu „Visumsstress & Sprachkurs“

  1. Na Frau Obersekretärin 😛
    komme ich auch mal dazu was hier reinzutexten. Ich bin richtig beeindruckt, wie gut du hier schreiben kannst. *anerkennend pfeiff* was mich aber dann doch nicht allzu sehr überrascht.
    Sehr interessant zu lesen, was du bisher alles erlebt hast und auch wenn du aus Deutschland geflohen bist, wirst du uns hier nicht so schnell los jetzt. muhaha….
    Werd das ganze hier mal mitverfolgen und noch viel Spaß in Bolivien. Schätze mal, ich werd noch viel über das Land erfahren, das ich kaum kenne :.D

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  2. und sobald ich herausgefunden habe, wie ich dieses komische Ding von Profilbild ändern kann, werde ich das tun…. zuviel englisch für meinen Geschmack. Mach das später…. *knurr*

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    1. Hey, nett von dir, „hier reinzutexten“. Find ich ja gut, dass mich mein Spitzname nicht verlässt, auch wenn ich am anderen Ende der Welt bin. Danke für den Spaß, und ihr könnt mich hierüber auch eigentlich ab und zu mal erzählen, was bei euch so abgeht. Grüße aus Bolivien!

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  3. Liebe Franziska,
    gerade kommen wir aus Norderney zurück und lesen mit Begeisterung Deine Einträge und die ganzen Kommentare. Besonders erfreut bin ich auch über die Fotos, so kann ich mir alles schon recht gut vorstellen. Das mit dem Visum war ja von Anfang an schwierig und wird Dich offensichtlich noch eine ganze Weile begleiten. Auf diese Weise lernst Du aber natürlich auch viel über das Land, in dem Du nun ein Jahr verbringen wirst.

    Meinst Du, dass wir mal skypen könnten? Vielleicht morgen Abend, wenn Kathi, Philipp und ich wieder zu Hause eingetroffen sind? Wann ist die Zeit für Dich günstig?

    Bist Du immer noch bei guter Gesundheit? Oder macht sich die Ernährungsumstellung inzwischen bemerkbar? Hast Du Post aus Langgöns bekommen?

    Viele liebe Grüße, auch von Tom, aus dem sonnigen Kassel,

    Deine Mama

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    1. Hallo Mama, ich wusste gar nicht, dass ihr auf Norderney wart! Wie cool. Finde ich gut, dass das mit dem Blog so ok zu sein scheint. Das mit dem Visum ist anscheinend fast abgeschlossen, wir müssen da jetzt im Moment nichts mehr für machen. Wir können gerne mal skypen, über Kathis Account? Ihr müsstet mir dann auch einfach sagen wann ihr könnt. Ich bin einigermaßen gesund, Ernährungsumstellung geht soweit klar. Post habe ich irgendwie noch nicht bekommen, ich glaube man muss da zum Postamt laufen, das werde ich dann dämnächst mal tun.
      Grüße auch von hier!

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