Alltag kehrt ein – fürs erste

Die nächsten Tage waren für mich davon geprägt, dass sich ein bisschen Routine einstellte. Aufstehen, duschen, etwas in der Stadt machen oder Rumgammeln, Mittagessen, Sprachkurs, Abendessen, Abend. So oder ähnlich gestaltete sich meine zweite Woche in Sucre, und das ist wahrscheinlich der Grund, aus dem es mir viel länger vorkommt, seit ich in Frankfurt abgeflogen bin. So langsam kann ich mir, wenn ich durch die Flure des Hostels laufe, in unserem Zimmer oder in der Rezeption sitze, vorstellen, dass das hier für das nächste Jahr mein zuhause sein wird.

Auch von Sucre habe ich neue Teile kennengelernt, die meisten bei dem Versuch, ein Museum über die bolivianische Unabhängigkeit zu besuchen. Das hat zweimal nicht geklappt, dafür habe ich beim ersten Mal, bei IMG_1493dem das Museum bereits geschlossen hatte, weitere wunderschöne „casas blancas“ im Kolonialstil sowie einige tolle Läden mit Sachen, die zwar wahrscheinlich in erster Linie an Touristen gerichtet sind, mir aber, die ich ja zurzeit auch quasi Touristin bin, trotzdem gefallen haben, gesehen. Auch haben wir einen Laden gefunden, in dem von indigenas, so die Bezeichnung für die indigene Bevölkerung Boliviens, gefertigte Fairtrade-Produkte angeboten wurden. Zusätzlich wurden die jeweiligen Produktionsweisen erklärt. Beim zweiten vergeblichen Versuch, das Museum zu erreichen, sind wir bis ans andere Ende der Stadt gelaufen, was sehr weit, aber auch sehr beeindruckend war: man konnte ewig weit sehen und hatte vor allem einen tollen Blick auf die Berge.

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Besagter Laden
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Besagtes Haus

An einem der Abende haben wir uns auf in die Stadt gemacht, um den leuchtenden Springbrunnen von Sucre zu beobachten, der irgendwann auch angefangen hat, Mozart zu spielen. Da das Bibliocafé geschlossen hatte, sind wir danach in eine andere Bar gegangen, in der man gemütlich auf dem Boden sitzen und später noch tanzen konnte.
Im Hostel war in den nächsten Tagen viel los: über 20 zukünftige weltwärts-Leute hielten Einzug. IMG_1317Diese machen auch ein von der Regierung unterstütztes Freiwilligenjahr in Bolivien, nur dass sie in Dörfern wohnen werden, 18 Jahre alt sein müssen und idealerweise schon Spanisch können. In unseren Trakt sind auch mehrere eingezogen, was zur Folge hatte, dass die Bäder immer besetzt und die Zimmer immer chaotisch waren. Nicht, dass es sonst bei uns besonders ordentlich wäre – auf dem Hof fliegen meistens Blätter, Flaschen und Plastiktüten herum, aber da wir nun einen Putzplan eingeführt haben, sollte das auch bald anders werden.
Im Sprachkurs haben wir jetzt angefangen zu singen. Monica meint, dass sich die grammatischen Formen dadurch besonders gut einprägen. Und so sitzen wir auch oft im Hostel und trällern vor uns hin, zum Leidwesen von einigen. „Vivir mi Vida“, „Necesito un Amor“ und „El Perdon“ von Enrique Iglesias heißen die Lieder, mit denen wir unsere Mitmenschen beglücken. Im Kurs konnten wir Monicas Mann Luis gerade nur so davon abhalten, uns alle zu zwingen alleine zu singen.

Zu unserem zweiten Geburtstag, dem von Clara, hatten wir beschlossen, ihr einen Kuchen zu backen. Und obwohl wir wenig Backpulver und noch weniger Eier benutzten, endete diese Aktion in einer Katastrophe: Der Kuchen sprudelte über, und im Endeffekt konnten wir nur noch die Reste vom Blech kratzen. Eine der Köchinnen im Hostel, Judith, hatte aber glücklicherweise Mitleid mit uns und präsentierte uns kurze Zeit später einen wunderschönen, nicht übergesprudelten Schokokuchen, den wir dann noch mit Smarties und ein paar Kerzen verzierten.

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Ein Gedanke zu “Alltag kehrt ein – fürs erste”

  1. Hallo Franziska,

    warum könnt Ihr denn keinen Kuchen mehr backen?! Das mit dem Putzplan finde ich natürlich hervorragend. Den kannst Du dann gleich kopieren und mitbringen.

    Spannend finde ich den Bericht über die Stadterkundung und die Geschäfte, die Du da entdeckt hast. Und sehr lebhaft kann ich mir vorstellen, wie Ihr das Hostel mit Eurem Gesang beglückt. Quasi genau das, was uns hier am meisten fehlt…

    Geh bitte unbedingt zum Postamt, um nach der Post für Dich zu schauen. Ich habe Dir zwei wichtige Poststücke per Einschreiben geschickt, weiß aber natürlich nicht, wie lange die brauchen werden.

    Kathi hat Dir auf Skype geschrieben, dass Du schreiben sollst, wenn Du Zeit zum Skypen hast.

    Du könntest auch schon mal über einen Geburtstagswunsch nachdenken. Die Post braucht offensichtlich lange. Wie wäre ein neues Handy, mit dem Du auch dort ins Internet kommst?

    Viele liebe Grüße aus Langgöns von Kathi und Mama

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