Evo

An einem Sonntag im Dezember nahm ich an einem bolivianische-Weihnachtslieder-Workshop teil, bei dem ein Zampoña- (bolivianische Panflöte)spieler versuchte, einigen sehr untalentierten Gringos bolivianische Weihnachtslieder auf der Zampoña beizubringen. Das funktionierte erwartungsgemäß nur mittelgut, machte aber trotzdem sehr viel Spaß. Und bei der Weihnachtsfeier des Cerpi in der nächsten Woche konnte ich die erlernten Weihnachtslieder wenigstens lautstark mitsingen.

In der Mittagspause des Workshops liefen wir ein paar Blöcke weiter, um uns ein Event der Regierungspartei MAS anzugucken. Und tatsächlich hielt in diesem Moment der große Regierungspräsident Evo Morales eine sehr ausdrucksstarke Rede. Das Event fand zum Anlass des Beginns der Kampagne zum Referendum im Februar statt, was darüber entscheiden soll, ob Evo sich noch einmal zur Wiederwahl stellen darf, was eine Verfassungsänderung bedeuten würde und in Bolivien zu den momentan am heftigsten diskutierten politischen Themen gehört. Alle Wände sind auch schon wieder bunt mit Wahlwerbung.

Und so ging es in seiner Rede auch hauptsächlich darum, sich selbst in möglichst günstigem Licht zu präsentieren. Über die zerstörerische Subventionierungspolitik der Vereinigten Staaten habe er triumphiert, über die Unwilligkeit der „Kapitalisten“ in Bolivien, produzierte Lebensmittel auch im Inland zu verkaufen, anstatt sie aus reiner Profitgier im Ausland zu verticken, und natürlich sei er zudem einer der beliebtesten Staatschefs überhaupt. Um dies zu verdeutlichen, führte er eine Studie an, die ihn in Beliebtheit direkt zwischen Vladimir Putin und Angela Merkel verortete. Barack Obama lag in dieser Studie auf Platz 5. Irgendwann skandierte die Masse (die erstaunlich klein war) „Evo, Evo“ und ich traute meinen Ohren kaum. Ich bezweifele, dass eine ähnliche Szene in Deutschland sehr wahrscheinlich wäre.

Evo erscheint übrigens meistens im Poncho und der Blumenkette der Aymara, der indigenen Bevölkerungsgruppe, der er angehört, und an diesem Tag tat er mir echt leid, denn es war furchtbar heiß und dieser Poncho ist schwer und dick.

In den nächsten Tagen liefen die Vorbereitungen für unsere jeweiligen Reisen auf Hochtouren. Ich hatte endlich meine Chefin dazu gebracht, mich über Weihnachten gehen zu lassen und war voller Vorfreude auf unsere Tour durch Bolivien (und Teile von Chile). In Sucre wurde alles mehr oder weniger (eher weniger, da unfassbar kitschig) weihnachtlich dekoriert und die Plaza war abends kein Ort mehr für Epilepsiegefährdete. Am Montag machte ich noch Obstsalat mit meinen Englischschülern und Dienstagabend sollte es dann losgehen.

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