Camino Inca del Chorro

Da wir es glücklicherweise geschafft hatten, unsere Geldprobleme zu lösen, stand unserer Wanderung durch die Yungas nichts mehr im Weg. Die Yungas sind die Region, die in Bolivien den Übergang zwischen dem Hochland und dem tropischen Tiefland bilden. Am Morgen wurden wir beim Hostel abgeholt und trafen unseren Guide, Jorge.

Wir fuhren hoch auf 4500m und begannen von dort. Es war scheißekalt und steinig und steil. Zunächst dachte ich, zum Glück bergab, aber dann wurde mir bewusst, dass auch bergabsteigen nicht unanstrengend ist. Es sah ein bisschen so aus, wie ich mir Schottland vorstelle, und dann fing es auch tatsächlich an zu regnen. Auf dem Weg kamen uns Lamaherden entgegen, wir liefen durch kleine Dörfer, die man nur zu Fuß erreicht und wir rutschten auf glitschigen Steinen aus. Am Nachmittag kamen wir ziemlich fertig bei der Siedlung an, in der wir übernachten würden. Die bestand aus zwei unbewohnten Häuschen, einer Kirche und ein paar überdachten Bänken. Man kam zu ihr über eine Brücke vor deren gemeinsamen Überqueren wir von unserem Guide ausdrücklich gewarnt wurden. Das machte uns ein bisschen Angst, ebenso wie die folgende Geschichte von einer Gruppe Deutschen, die springend über diese Gruppe gerannt war, woraufhin ein Mädchen durch das Holz brach und vom Fluss mitgerissen wurde. Sie wurde nie gefunden.

Die Siedlung lag schon im Regenwald, insofern war es dort…anders. Anders als alles, was wir von Bolivien bisher gesehen hatten. Es gab seltsame Blumen, und alles war sehr grün und warm. Es gab kein Klo, erst Recht keine Duschen und wir schliefen im Zelt. Dieses hatte, ebenso wie unser Essen, unser armer Guide geschleppt. Er war Ende fünfzig und schon seit dreißig Jahren ein Guide.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf und wanderten insgesamt acht Stunden. Der zweite Tag war weniger steil, wärmer und insgesamt schöner. Die Vegetation war abwechslungsreich, wir sahen Kokaplantagen und Affen und rannten in einem Affenzahn durch den Wald. Trotz seines Alters und seiner Knieverletzung war unser Guide immer noch ziemlich fix unterwegs. Wir liefen durch Flüsse und sahen Wasserfälle und waren am Ende fix und fertig.

Nach einer durchgeschwitzten Nacht im Zelt ging es am nächsten Morgen um fünf weiter. Wir wanderten noch zwei Stunden und kamen dann im Yungadorf Chairo an, von wo aus wir mit dem Jeep nach Coroico gebracht werden sollten. Der erste Teil der Jeepfahrt war aufgrund des Geholpers abenteuerlich und der zweite weil unser Jeep den Geist aufgab. Wir schoben ihn ein Stück und stiegen dann in einen Minibus in Richtung La Paz. In dem Hostel angekommen, in dem wir unsere Sachen eingesperrt hatten, bettelten wir die Mitarbeiter darum, die Duschen benutzen zu dürfen, da wir drei Tage lang ohne Duschen schwitzend durch den Regenwald gestampft waren. Die Mitarbeiter lachten uns aus und führten uns dann zu den Personalduschen.
Geduscht kehrten wir zum Terminal zurück und stiegen in den Bus in Richtung Santa Cruz. Hätten wir geahnt, was uns bevorstand, hätten wir uns das vielleicht anders überlegt.

 

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