Titicacasee

Was folgte, war die bis zu diesem Zeitpunkt furchtbarste Flotafahrt die mir widerfahren ist. Zunächst schien alles in Ordnung, wir fuhren durch Chile, an Arrica vorbei und in Richtung bolivianische Grenze. Um zwei Uhr morgens ging es plötzlich nicht mehr weiter. Weshalb oder bis wann wurde uns nicht mitgeteilt. Auch wo wir waren wussten wir nicht. Dafür merkten wir sehr bald, dass es irgendwo sehr hoch oben sein musste, denn es wurde furchtbar kalt. Ich zitterte in meinem Sitz und machte in den folgenden sechs Stunden kaum ein Auge mehr zu. Solange dauerte es dann nämlich, bis wir aus dem Bus gescheucht wurden. Es stellte sich heraus, dass wir die ganze Nacht am Grenzübergang Tambo Quemado gestanden hatten, in Erwartung des Grenzpersonals.

Als wir schließlich bei der Migration an der Reihe waren, wurde uns bedeutet, uns in eine Ecke zu stellen und zu warten. Das taten wir, bis dann schließlich 146 Bolivianos von uns verlangt wurden. Damit waren wir zunächst nicht ganz einverstanden, da wir auch von Ungereimtheiten an den Grenzübergängen gehört hatten und uns von dieser Zahlung noch nie in irgendeiner Form berichtet worden war. Wir diskutierten hin und her, und irgendwann meinte einer der Grenzmänner, dass wir jetzt einen anderen Bus nehmen müssten, weil unserer wegfahren würde. Das erschien uns etwas ungünstig, da die Hälfte unserer Sachen sich noch in besagtem Bus befand. Wir rannten also quer über den Busparkplatz zu unserem Bus um ihn zum Warten zu bewegen, rannten wieder zurück, um unsere –wie sich rausgestellt hatte- doch obligatorischen 146 Bolis zu zahlen. Dann rannten wir abermals zurück.

Nun konnte die Fahrt weitergehen. In La Paz angekommen checkten wir in unser Hostel ein, das rund um die Uhr kostenlos Tee und Kaffee in einem sehr coolen Innenhof zur Verfügung stellt. Dann zogen wir durch die Stadt, die inzwischen diejenige ist, die ich am zweitbesten kenne in Bolivien. Wir aßen Forelle und planten unsere Reise weiter. Wir spazierten in eine Touragentur und buchten eine Wanderung mit Guide und entdeckten dann, dass wir beide nicht an das Geld auf unseren Kreditkarten herankamen.

Wir beschlossen, trotzdem am nächsten Tag in Richtung Titicacasee aufzubrechen. Wir setzten uns also in den Bus in Richtung Copacabana, was am See liegt. Zunächst fuhren wir zwei Stunden lang durch El Alto, was wirklich keine schöne Stadt ist. Eine riesige Wüste aus unfertigen Häusern und Werkstätten. Schließlich tauchte dann endlich der Titicacasee am Horizont auf. Die Sonne ging gerade unter und es war alles ziemlich schön. Der Titicacasee ist der größte Boliviens, wobei man dazu sagen muss, dass er auf der Grenze zu Peru liegt und deshalb nur in Teilen zu Bolivien gehört. Da Bolivien keinen Meerzugang hat (Grund für die Probleme mit Chile), exerziert die bolivianische Marine auf diesem See. Er misst 8.288 km² und ist beeindruckend. Auf dem Weg nach Copacabana muss man einmal einen kleinen Seearm per Boot überqueren, sowohl die Busse als auch die Menschen, und als wir in der Mitte des Sees waren, beschloss der Motor unseres Bootes, aufzugeben. So stiegen wir also mitten auf dem Wasser in ein anderes Boot um und setzten unsere Fahrt fort. Wir hatten ein bisschen Sorge, dass wir in Copacabana kein Hostel mehr finden würden, da uns in unserem La-Paz-Hostel gesagt worden war, dass alles ausgebucht sein, aber dort angekommen, wurden wir direkt aufgegabelt und zu einem Hostel gebracht, für das man drei Euro die Nacht bezahlen musste. Es war auch gar nicht so runtergekommen, wie sich das jetzt anhört.

Wir blieben also die Nacht und auch einen Großteil des nächsten Tages, setzten uns an den See und erwarteten das Boot, das uns auf die Isla del Sol bringen sollte. Diese liegt im Titicacasee und ist eines der primären Touristenziele Boliviens. Die Bootsfahrt dauerte anderthalb Stunden und war kalt, aber toll, da man sich aufgrund der Größe des Sees fast wie auf dem Meer fühlte.

Wir stiegen im Süden der Insel aus und mussten in der Folge den furchtbarsten Berg hochklettern, der uns bis jetzt begegnet war. Uns überholten alleweil Esel und wir fühlten uns unsportlich. Zu unseren Problemen trug aber auch die Höhe der Isla del Sol bei, die bei ca. 4000m liegt. Oben angekommen wurden wir von Lena und Sophia abgeholt und zum Hostel geführt. Danach liefen wir ein bisschen auf der Insel rum, die grün und bergig ist. Abends gingen wir zusammen essen, und ich bestellte eine Forelle, die ziemlich sicher Lachs war. Trotzdem lecker. Da Sylvester war, liefen wir nachts noch auf einen Ausgangspunkt, von welchem wir dachten, dass man bestimmt Feuerwerk sehen kann. Ein bisschen was sahen wir auch, und vor allem witzig war, dass man nach Peru herübergucken konnte und dort das Feuerwerk eine Stunde zeitversetzt sah. In erster Linie sahen wir allerdings Sterne, mehr als ich je zuvor in meinem Leben gesehen hatte. Die Wege sahen wir nicht, da es keine Beleuchtung gab und da wir quasi mit den Köpfen in den Nacken liefen, und sofern stolperten wir dann nachts um drei mehr schlecht als recht zurück ins Hostel.

Am nächsten Morgen war eine Rundwanderung auf der Insel geplant, die gar nicht so klein ist. Eigentlich wollten wir um halb acht aufstehen, aber daraus wurde aus offensichtlichen Gründen nichts. Wir quälten uns schließlich dennoch aus unseren Betten und machten uns auf den Weg. Nach einer halben Stunde ungefähr war dann nicht mehr jeder Schritt eine Tortur. Zunächst liefen wir ca. zwei Stunden lang hoch in den Norden, bis wir bei einigen Ruinen aus der Pre-Inkazeit angekommen waren und setzten uns dort an den Strand. Danach liefen wir in das auf der Nordseite gelegene Dorf, in dem lauter Gringos am Strand campten. In diesem Dorf leben die Touristen quasi direkt neben den Einheimischen, die dort ihre Bauernhöfe und Tiere haben.

Da wir uns in den Kopf gesetzt hatten, unbedingt in den See zu steigen, suchten wir uns einen einsamen Strand, an dem ein einsames Lama stand, und hüpften in das bestimmt fünfzehn Grad warme Wasser. Es war klar und sauber und super und wir setzten unsere Wanderung fort. Nach einer halben Stunde ungefähr kamen wir dann im Dorf des Zentrums an, in dem auch ein Hostel von HI steht. Wir unterhielten uns mit der Verwalterin über die Voluntafreiwilligen, die dort im Moment residieren. Auf der letzten Etappe des Weges kamen uns ständig Tiere entgegen: Esel, Schafe und Schweine, die von ihren Weiden nach Hause getrieben wurden.
Am nächsten Morgen brachen wir dann wieder in Richtung La Paz auf.

Bilder füge ich hinzu wenn das Internet nicht mehr so verdammt scheiße ist.

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Ein Gedanke zu “Titicacasee”

  1. Na Frau Obersekretärin xP (grad verwirrt gewesen, wie sich Sekretärin eigentlich schreibt. Krass)
    Beim Titel musste ich auch schonmal lachen. Titicacasee. Haha. Ich hab schonmal von dem gehört, aber hatte nicht im Kopf, das der an Bolivien liegt ^^“ grandios. Von der Wüste bis zum Dschungel hast du scheinbar schon jede Menge gesehen. Hachja, wird man glatt neidisch. Ne Quatsch. Weiterhin viel Spaß und so~

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