Samaipata

Mal wieder stoppten wir in der Nacht. Mal wieder wussten wir weder wieso wir das taten, noch, wo wir uns befanden. Der Unterschied zur Fahrt aus Chile war, dass wir diesmal im Regenwald standen. Es war also heiß und schwül. Als die Sonne aufging, sahen wir, dass vor uns eine Schlange von LKW und Autos stand, deren Ende nicht abzusehen war. Auch als ich ausstieg um nachzusehen, was vor sich ging, konnte ich nichts sehen außer einem scheinbar endlosen Stau.

An dieser Situation änderte sich erst mal nichts. Und zwar einige Stunden lang. Wir schwitzten, wurden von seltsamen Mücken zerstochen und kamen nicht vorwärts. So saßen wir. Und saßen. Manchmal standen wir auf, aber dann setzten wir uns wieder hin. Und saßen. Schließlich tat sich etwas, der Bus fuhr los – und blieb nach dreißig Sekunden wieder stehen. Und so saßen wir noch ein wenig.

Als wir schließlich, schließlich, endlich in Santa Cruz ankamen, verschwitzt und zerstochen, und uns am Terminal gesagt wurde, dass wir noch durch die halbe Stadt tigern mussten, um dorthin zu kommen, von wo die Fahrzeuge abfuhren, die uns an unser eigentliches Ziel bringen sollten, waren wir leicht angenervt. Wir nahmen ein Taxi und saßen dann zum Glück ziemlich schnell im Truffi in Richtung Samaipata, einem Touristendorf, von welchem aus man mehrere Tours in Nationalparks und ähnliches machen kann.

Dort kamen wir um Mitternacht an. Wir hatten kein Hostel gebucht und spazierten in das rein, das uns Freunde empfohlen hatten. Es war natürlich niemand mehr in der Rezeption. So gingen wir in den Garten, wo dann glücklicherweise einige weitere Hostelgäste saßen. Zwei Deutsche (trifft man auch hier) konnten uns dann tatsächlich weiterhelfen: Sie hatten ein Zelt aufgebaut, sich dann aber dennoch ein Zimmer genommen. Uns wurde also eine Nacht im Zelt angeboten. Das war zwar nicht genau das was wir uns nach zwei Zeltnächten und einer Flotanacht vorgestellt hatten, aber wir akzeptierten dennoch dankend. Am nächsten Tag zogen wir dann schließlich in ein Zimmer mit richtigem Bett um.

In Samaipata ruhten wir viel aus, einerseits weil wir erschöpft von der Reise waren, andererseits, weil es jeden Tag regnete. Also gaben wir viel Geld für Essen aus, ich kam endlich mal zum Lesen und wir waren viel in unserem Hostel, das aber hauptsächlich aus Garten besteht, was auch sein Name war.

Am zweiten Tag machten wir uns auf zu einigen Wasserfällen, wurden vom Regen durchnässt. Wir kehrten zurück und amüsierten uns über die ganzen Exileuropäer, die in Samaipata rumlaufen. Sie entsprachen dem Klischee von Exileuropäern: Sie trugen Rastalocken und fuhren dreckige Jeeps. So habe ich mir Exileuropäer zumindest immer vorgestellt.

Am dritten Tag fuhren wir wieder nach Sucre zurück, im ältesten, klapprigsten Bus in dem ich bis jetzt gefahren bin. „Almost new“ war der Kommentar eines Mitreisenden.

 

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Ein Gedanke zu “Samaipata”

  1. Meine liebe Franziska ,

    Das hört sich ja eher nach einem Hindernisrennen als nach einem Vergnügen an . Dennoch scheinst Du eine Menge zu sehen u. einige Abenteuer zu bestehen . Ich hoffe , dass es Dir auch noch Freude macht ! Und dass Du gesund u. munter bist ? Ist mein Osterpäckchen inzwischen wohl angekommen ? Jetzt können wir ja schon bald absehen , dass Du Dich von Bolivien verabschiedest : noch 3-4 Monate ? Ich dachte , ich überweise Dir noch mal etwas auf Dein Konto , damit Du Dir vielleicht ein schönes Andenken leisten kannst . Ende des Monats fahre ich für 1 Woche nach Langgöns , wenn Mama auf Klassenfahrt ist . Lass es Dir gut gehen , sei herzlich umarmt , liebe Franziska , von Deiner Oma Maria

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