Pujllay & Ojo del Inca

Als ich nach der ersten Woche nach Sucre zurückkehrte, war alles anders. Ich erfuhr, dass sich meine Zimmergenossin Clara dafür entschieden hat, vorzeitig abzubrechen. Sie hat während der gesamten acht Monate, die sie hier war, mit gesundheitlichen Problemen gekämpft und hat deswegen nie wirklich Fuß gefasst. Inzwischen ist sie schon weggeflogen, und ich habe somit ein Einzelzimmer.

Am Sonntag hatten wir ein wenig konstruktives Gespräch mit Arturo, in dem wir nochmals für den Zustand unserer Küche verantwortlich gemacht wurden und einige von uns als charakterschwach bezeichnet wurden. Insofern war ich froh, als ich am Montag wieder nach Cajamarca zurückkehren durfte.

Das gestaltete sich allerdings komplizierter als gedacht. Als ich endlich die Micro gefunden hatte, die mich zu dem Ort bringen würde, von dem ich dann ein Taxi nehmen können würde, das mich wiederum zu dem Ort bringen würde, von dem ich nach Cajamarca laufen können wurde, ging es auf halber Strecke nicht weiter. Ein LKW war in die Seite der Micro reingefahren, Glas splitterte und Leute schrien. Es war niemand verletzt, aber was folgte, war eine Auseinandersetzung des Microfahrers mit dem LKW-Fahrer. Dieser schien besoffen zu sein. Er fuhr einfach davon und der Microfahrer nahm die Verfolgung auf. Somit sah ich mich nach einer anderen Beförderungsmöglichkeit um und ließ mich direkt bis Cajamarca fahren.

Am Wochenende fuhr ich nach La Paz, um einige Kollegen von der Arbeit zum Flughafen zu begleiten, da ihr Freiwilligendienst nach einem halben Jahr bereits beendet war und sie zurück nach Europa flogen. Mir wurde bewusst, dass mir ein halbes Jahr hier in Bolivien viel zu wenig gewesen wäre und dass ich sehr froh war, dass mir noch ein paar Monate blieben.

Das Wochenende darauf fuhren wir am Samstag zu heißen Quellen bei Potosí, die sehr heiß und inmitten einer traumhaften Berglandschaft lagen. Am Sonntag war in Tarabuco Pujllay, eine Art Erntedankfest, das ursprünglich sehr traditionell war und auch immer noch ist, mit Tänzen und Kostümen und einem Pfahl, an dem Lebensmittel, unter anderem auch ganze Kühe und Butterdosen, aufgehängt werden. Auf der anderen Seite war die ganze Sache auch ziemlich Gringo-überrannt, die aber hauptsächlich nur rumstanden und Bier tranken.

Auch Evo ließ sich blicken, und sich seine Wahlniederlage nicht anmerken. Er hatte ein traditionelles Tanzgewand an (in dem er auch tanzte) und ließ einige rhetorische Klassiker vom Stapel. Der Gouverneur von Chuquisaca (Esteban)stand neben ihm und zog ununterbrochen Fratzen.

In der letzten Woche in Cajamarca haben wir eine Flagge gepflanzt, nämlich die Wiphala, die Flagge der indigenen Bevölkerung, die seit 2009 der bolivianischen Nationalflagge gleichgestellt ist. Zuerst sind wir motorsägeschwingend durch den Wald gerast, dann haben wir sie aufgestellt. Jetzt werde ich beim CERPI weitermachen und im Mai geht auch der Sprachkurs weiter. Dann geht es in die intensive Vorbereitung für die Prüfung.

 

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