Tarija und Santa Cruz

Inzwischen bin ich schon lange wieder in Sucre stationiert, und der Abflug rückt unerbittlich näher. Die einen in der WG fiebern darauf hin, die anderen freuen sich gar nicht. Ich denke, ich stecke irgendwo in der Mitte.

Die Arbeit hat sich etwas verändert, unser alter Fahrer Vladi, arbeitet nicht mehr mit uns, und einige der Freiwilligen haben gewechselt. Der Englischunterricht ist noch wie vorher: ich versuche, die einfachsten Vokabeln in ein paar unruhige Schreihälse reinzutrommeln. Wir spielen viel,  singen tolle Liedchen und machen Blödsinn.

Mit der Escuela Móvil hatten wir ein erneutes Taller, bei dem es um „die gute Behandlung und die Kultur des Friedens“ ging. Zunächst wurden ein paar Liedchen vom neuen Fahrer, Marco, gesungen, und dann gab es ein One-Woman-Theaterstück über Emotionen, darunter Scham, Trauer und Freude. So wurde in einer Szene beispielsweise ihr Hund überfahren, woraufhin sie traurig war, aber in der nächsten bekam sie einen neuen geschenkt, was sie glücklich machte. Danach wurden Collagen geklebt, mit Bildern aus Zeitungen, von denen die Kinder sich das aussuchen sollten, was für sie am besten „Buen Trato“ darstellt. Für manche waren das jubelnde Fußballspieler. Und da in den Zeitungen viele Bilder von Evo sind, war es für viele auch Evo, der irgendwen umarmt oder Laptops verschenkt.  Als Verköstigung gab es einen leckeren Linseneintopf.

An einem Wochenende fuhren wir nach Tarija, eine Stadt im Süden Boliviens, die auf 1873 Metern liegt. Dort ist es etwas wärmer, und die Region um Tarija ist von Weinbergen geprägt. Deshalb ist Tarija Boliviens Weinstadt, alle wichtigen Weinproduzenten befinden sich in der Umgebung.  Aus diesem Grund war unser erster Programmpunkt auch eine Weintour. Diese führte durch mehrere Weingüter.  Auf dem ersten befanden sich die Maschinen für die Herstellung von Singani, einem bolivianischen Traubenschnaps, der hier sehr beliebt ist. Wirklich sehr beliebt. Darauf folgten noch einige weitere Weingüter, auf denen man das Endprodukt natürlich auch probieren durfte. Nach der Weinprobe streunten wir noch ein bisschen durch Tarija, das sehr schön und sehr „tranquilo“ ist, noch mehr „tranquilo“ als Sucre, wie uns diverse Menschen berichteten. Am Abend fand eine Entrada statt, bei der ich das erste Mal die typischen Tänze der Afrobolivianer sah, die in Sucre kaum repräsentiert sind.  Am nächsten Tag fuhren wir zu einem Fluss in der Nähe,  wo man mit den Füssen im Wasser ausspannen konnte und wurden von einigen chapacos (tarijeños) zu gegrillten frischen Fisch eingeladen, der wirklich sehr lecker war.

Eine Woche später fuhren wir nach Santa Cruz um Theresa zu verabschieden, die drei Monate mit uns zusammen gewohnt hatte und quasi ein Teil der WG geworden war. Nun reiste sie schon wieder nach Deutschland ab. In Santa Cruz begrüßte uns erst mal eine Kälte, die wir nicht erwartet hatten. Das letzte Mal, dass ich in Santa Cruz gewesen war, im August nämlich, war es so heiß gewesen, dass man sich ohne Klimaanlage nicht vom Fleck bewegen wollte. Diesmal pfiff uns Polarwind um die Ohren. Ok, vielleicht kein Polarwind, aber es war kalt, und wir hatten hauptsächlich kurze Klamotten mitgebracht. So beschlossen wir, die Kälte zu ignorieren, und aßen viel Eis. Den Donnerstag verbrachten wir dann mit der Suche nach einem offenen Tattoostudio, da Sophia und Theresa sich piercen lassen wollten und ich mir ein Tattoo zulegen wollte. Bis wir herausfanden, dass die Tätowierer in Santa Cruz erst nachmittags aufmachen, verging einige Zeit. Schließlich war es so weit, und wir ließen einen Mann namens Javier mit Nadeln unsere Haut malträtieren.

Am nächsten Tag ging Theresas Flieger, und es war alles sehr traurig und sehr komisch, dort zu stehen und zu wissen, dass man selbst in drei Monaten wiederkommen würde um dasselbe zu tun. So langsam sind wir alle dabei, uns damit abzufinden.

 

 

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