Nochmals Santa und Cochabamba

In der darauffolgenden Woche startete mein Intensivsprachkurs für die in zwei Wochen anstehende Prüfung. Er fand vormittags und nachmittags statt und war insgesamt ziemlich anstrengend. Dadurch, dass wir nun endlich das Ziel vor Augen hatten, war es aber durchzuhalten. So sangen wir zum letzten Mal unsere Cumbialieder, füllten unsere Examensblätter aus und lernten (mehr oder weniger) Vokabeln. Lena und ich aßen jeden Tag eine Salteña und versuchten, nicht die Krise zu kriegen. Das funktionierte auch ganz gut.

Schließlich war es dann so weit, und wir fuhren zum zweiten Mal in drei Wochen nach Santa Cruz. Wieder war es kalt (wenn auch nicht so kalt) und wieder aßen wir viel Eis (wenn auch nicht so viel).  Nach einigen obligatorischen Unklarheiten terminbezüglich fuhren wir Samstagmorgen zu einer Art grauem Betonbunker mit Security Guards, der anscheinend auch eine teure Privatuni ist (dafür würde ich ja nicht bezahlen) und starteten mit unserer Prüfung. Die war so wie man sie sich hätte vorstellen können, nur dass wir zwischenzeitlich mit unseren Examen uns selbst überlassen wurden, überraschte uns dann doch etwas. Während meiner mündlichen Prüfung spazierten fröhlich circa fünf verschiedene Leute hinein und wieder hinaus, aber ich versuchte, mich davon nur begrenzt stören zu lassen. Am Abend grillten wir in unserem Hostel und feierten das Ende dieser Etappe unseres Bolivienjahrs.

Die Woche danach war ganz vom wichtigsten Feiertag des Departamentos Chuquisaca geprägt: dem 25. Mai. Dort wurde der Kampf um die Unabhängigkeit im Jahr 1809 begonnen. Dienstag war die Parade der Schulen und der Kindergärten, Mittwoch marschierten das Militär und andere Organisationen. Die Innenstadt war teilweise nicht passierbar und überall gab es Feiern, Konzerte und sonstige Aktionen. Sowie die „Feria de Chocolate“, auf der sich die Schokoladenhersteller Boliviens präsentierten und Sachen wie Eis, Gebäck und typische Gerichte Boliviens mit Schokosauce verkauften. Schmeckte…interessant.

Da die ganze Woche feriada war und wir nur am Dienstag die Verabschiedung eines Freiwilligen aus Frankreich hatten, wurde beschlossen, übers Wochenende in die viertgrößte Stadt Boliviens, Cochabamba, zu fahren. Dort besichtigten wir die riesige Cristostatue (sie misst 33m, das macht sie größer als die in Rio), auf die man per Teleferico kam. Nachher besuchten wir ein altes Nonnenkloster, in dem die Nonnen früher ohne Kontakt zur Außenwelt eingesperrt waren. Dies blieb so bis 1956. Hinein kamen nur die Töchter der reichsten Familien Cochabambas, sodass es als höchste gesellschaftliche Ehre anerkannt war, eine Tochter im Konvent zu haben. Es wurde 1760 im Barrockstil errichtet. Wie in vielen bolivianischen Kirchen und Klöstern finden sich auch in diesem Konvent Elemente indigener Kunst, die mit hispanoamerikanischen Elementen verwoben wurden. Die Autoren vieler Gemälde sind unbekannt, da es sich um Indigenas handelt, die gesellschaftlich als Künstler nicht anerkannt wurden. Es ist für mich immer sehr spannend zu sehen, wie damals in Bolivien zwar versucht wurde, Kopien der europäischen Originalbauwerke herzustellen, oft herrschte aber entweder Unwissenheit über die notwenigen architektonischen Kenntnisse oder Materialmangel oder es traten andere Hindernisse auf.

Samstag fuhren wir in den Regenwald, in ein Dorf namens Villa Tunari, um uns auch mal die Vegetationszonen Boliviens anzuschauen, die wir sonst nicht sehen. Das Klima war auch sofort sehr viel feuchter und meiner Meinung nach unangenehmer. Etwas außerhalb besuchten wir ein Reservat, in dem es sowohl Tiere als auch diverse Pflanzen gab. So zum Beispiel einen Zimtbaum, einen Kautschukbaum und viele Kokapflanzen so wie einen Baum mit irrsinnig langen  überirdischen Wurzeln. Sehr klischeemäßig hängten wir uns auch an eine Liane. Sonntag kehrten wir zurück und machten gar nichts.

 

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Ein Gedanke zu “Nochmals Santa und Cochabamba”

  1. Liebe Franziska,

    dieser Bericht ist ja zu lustig, hast Du wirklich toll geschrieben!! Auch wieder sehr interessant und spannend.

    Ich gehöre zu denen, die sich freuen, wenn Du wieder kommst 🙂

    Mama

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