Endspurt in Sucre

So, jetzt kann man die Zeit, die mir noch in Sucre bleibt, schon an diversen Körperextremitäten abzählen. Ich habe auf der Zielstrecke nochmal ein bisschen Abschiedsbammel bekommen und sämtliche Konvents, Kirchen und Museen Sucres besucht, die mir vorher entgangen waren. Es wäre peinlich, nach Hause zu kommen, und nicht einmal die Lonely-Planet-Sehenswürdigkeiten abgeklappert zu haben. Insofern nutzte ich die letzten Wochenenden und sah viel von der „weißen Stadt“. Das Highlight: ein Konvent, in dem vor drei Jahren Malereien im Kreuzgang entdeckt wurden. Diese wurden quasi als Lehrmaterialien für die Insassen des Konvents genutzt. Zu sehen sind ausschließlich die Stationen des Lebens der Jungfrau Maria. Das Lowlight war eine angepisste Führerin, die ständig telefonierte und für das, was sie da präsentierte, offensichtlich kein Interesse hatte.  Von den Dächern der Kirchen in der Innenstadt, die ich besuchte, hat man einen tollen Blick, den meine Handykamera leider nur ungenügend einfangen konnte.

In der Casa de la Libertad, in der 1825 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde, wird die Geschichte Boliviens ausgestellt. Auch zu sehen ist eine überlebensgroße Holzschnitzung von Simon Bolívars Kopf. Die macht einem tatsächlich ein wenig Angst. Auch gibt es einen Raum zum Leben des Marschalls Antonio Jose de Sucre, der einige wichtige Schlachten im Kampf um die Unabhängigkeit Boliviens gewann. Er heiratete seine Frau über einen Brief, da er verletzt war und zur Hochzeit nicht antreten konnte. In diesem stand: „Du verheiratest dich um ein Haar mit einem Toten“.  Sehr interessant ist auch die Geschichte Juana Azurduys, der einzigen Frau, die im Unabhängigkeitskampf eine Rolle spielte. Sie war mit einem Führer der Bewegung verheiratet, und als er starb, führte sie die Armee in einigen entscheidenden Kämpfen. In den zentralen Saal der Casa de la Libertad wurden vor einigen Jahren zusätzlich zu den schon vorhandenen kreolischen Freiheitskämpfern auch einige indigene Helden eingeführt.  Unter ihnen Tomás Katari, der 1780 einen indigenen Aufstand gegen die Spanier geführt hatte.

Bei der Arbeit lief endlich einmal alles rund: wir schleiften Kinder in den Park, malten mit ihnen Mandalas und kochten sogar mit ihnen auf offenem Feuer. Sie wussten offensichtlich besser als wir, wie das funktionierte, was zu einigen peinlichen Situationen führte. Nur mit der Entscheidung, eine Plastik-Crackerverpackung ins Feuer zu werfen, waren wir auch im Nachhinein nicht einverstanden. Es gab auch eine weitere Spendenaktion: einige deutsche Reisende wollten den Kindern in einem Sektor Klamotten schenken. Sie zeigten sich sehr überrascht, als die Kinder sich nicht mit dem zufriedengaben, was ihnen zugeteilt wurde, sondern mehr Klamotten wollten. Sie waren komplett überfordert und hatten keinen blassen Schimmer, wie man so etwas angehen könnte. Dabei zuzusehen war ebenfalls ziemlich furchtbar, da es auch für die Kinder ein erniedrigendes Erlebnis gewesen sein muss, die großen Weißen um Klamotten anzubetteln. Das ist meiner Meinung nach eigentlich eine der zentralen Aufgaben der Escuela Móvil, den Kindern einen Teil der Würde zurückzugeben, die ihnen das Leben in Armut oftmals raubt, und sie zu unterstützen, ohne sie dafür betteln zu lassen. Ich werfe es den Frauen nicht vor, sie wollten wahrscheinlich nur Gutes tun, aber auf diese Weise scheint es nicht zu funktionieren. Da ist es besser, direkt an vertrauenswürdige Organisationen zu spenden, als zu kommen und das klamottenwerfend selbst in die Hand zu nehmen.

 

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